Gatz (Fortsetzung)

Was half Ihnen, sich vom Regime Schäfer zu befreien?

„Als Achtjährige erlebte ich die Ermordung der Juden mit. Im Winter 1941 fing das an. Das war ganz, ganz schrecklich. Tag und Nacht wurden sie von SS-Leuten in großen Kastenwagen herangekarrt. Vom Hals bis zu den Füssen in Ketten gebunden, damit sie nicht weglaufen konnten. Das alles war für uns sichtbar.

Meine Familie war mehrmals umgesiedelt worden, zuletzt nach Chrustin im Warthegau, heute ist es wieder Polen. Zur Schule gingen wir nach Chelmno, das Kulmhof genannt wurde. Dort war das erste Vernichtungslager.

Ich war acht Jahre, ich wollte wissen, was auf einmal im Schloss vor sich ging, „das Schloss“ haben wir immer zu dem alten Gutshaus gesagt . Ich habe mich dort hinter die Büsche gelegt, ganz flach auf den Bauch, um zu sehen, was passierte, wenn diese LKWs ankamen, und was dieses Wimmern und Jammern bedeutete, diese Geräusche, die ich nie wieder loswurde.

Ich sah, wie der Kastenwagen aufgemacht wurde und die Leute runterspringen mussten. Wenn das nicht schnell genug ging, schlugen die SS-Leute mit Gummipeitschen auf die Menschen drauf. Dann mussten alle rein in die Schlossgebäude und sich nackt ausziehen, dann wieder raus und nackt auf den LKW steigen. Das war ein Gaswagen. Ich hab das beobachtet. Es war verboten, da zu sein. Einmal hat die SS mich verscheucht.

Dann wurden sie nach Majdanek gefahren. Zuerst haben sie sie in großen Massengräbern verscharrt, dann wurden Krematorien gebaut, und dann wurde gebrannt. Als wir auf den Wiesen Kühe hüteten, stiegen die gelben Wolken hoch. Wie geschmortes Hühnerfleisch roch das. Wie wenn meine Oma die Gänse und Hühner absengte. Alle sahen es, alle wussten es.

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